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| Paul Klee |
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deutscher Maler, Grafiker und Kunsttheoretiker schweizerischer Herkunft, geboren 18. 12. 1879 in Münchenbuchsee bei Bern, gestorben 29. 6. 1940 in Locarno-Muralto, einer der bedeutendsten und vielseitigsten Künstler der ersten Haelfte des 20. Jahrhunderts. Klee wuchs in einer musikalischen Familie auf, er lernte bis zum Abitur perfekt Violine spielen. Anschließend begann er mit dem Kunststudium an der Münchner Privatschule Heinrich Knirrs. Die Bewegung des Jugendstils, die ab 1900 in München einsetzte, beeindruckte Klee tief. Die Dominanz der Linie und die Ornamenthaftigkeit dieser Kunst kam seiner Neigung zum Phantastisch-Illustrativen entgegen. 1900 wechselte Klee an die Münchner Akademie über, brach die Ausbildung jedoch nach einem Jahr wieder ab, weil ihm die Ausbildungsrnethoden zu akademisch waren. Von der darauf folgenden Italienreise berichtet er, daß ihn das Aquarium in Neapel besonders fasziniert habe. Hier konnte er die Formprinzipien der Natur kennenlernen, von zartesten, filigranaehnlichen Formgefügen bis zu üppigen und überquellenden Pflanzenwucherungen. Nach seiner Rückkehr 1902 war Klee zu naechst als Geiger im Berner Stadtorchester beschaeftigt und schuf satirische Radierungen, die INVENTIONEN (z. B. WEIB UND TIER, JUNGFRAU im BAUM oder ZWEI MÄNNER, EINANDER IN HÖHERER STELLUNG VERMUTEND, BEGEGNEN SICH). Hier kündigt sich schon die phantastische und groteske Bildwelt seiner spaeteren Arbeiten an. Bis 1910 beschaeftigte er sich auch parallel mit der Glasmalerei. 1906 heiratete er die Pianistin Lily Stumpf und zog nach München. Hier lernte er die führenden Künstler der Zeit kennen: Kandinsky und die Gruppe des ,Blauen Reiter', die Malerei von Cézanne, Matisse, van Gogh, die Grafik von James Ensor und Honoré Daumier. Auch die Auseinandersetzung mit dem Kubismus Picassos und Braques ging in die Entwicklung seiner Kunst mit ein. 1911 entstanden Klees 26 Federzeichnungen zu Voltaires "Candide", Die Illustrationen sowie Landschaftsstudien und Portraets stellte Klee 1911 erstmals erfolgreich in der Galerie Thannhauser in München aus. 1914 brach er zusammen mit August Macke und Louis Moilliet zu der berühmten Reise nach Tunis und Kairuan auf. Damit wurde der bisher grafische Künstier zum Maler: "Leibhaftigkeit des Maerchens, die Sonne von einer finsteren Kraft. Die farbige Klarheit an Land verheißungsvoll. Materie und Traum zu gleicher Zeit, und als drittes ganz hineinverfügt mein Ich (...) Die Farbe hat mich (...) Das ist der glücklichen Stunde Sinn: ich und die Farbe sind eins. Ich bin Maler." Die auf dieser Reise entstandenen Aquarelle verarbeiten die starken Licht- und Farbreize in der Art eines Cézanne und die kubistische Formauffassung eines Delaunay. Es ging nicht darum, die Natur nachzuahmen, sondern Gestaltungen analog den Formprinzipien der Natur hervorzubringen, z. B. IN DEN HÄUSERN VON ST-GERMAIN (TUNIS); TUNESISCHE SKIZZE, STRASSENCAFÉ (beide 1914, Bern, Slg. Felix Klee), DER NIESEN (1915, Bern, Kunstmuseum). Gleichzeitig entstanden auch gegenstandslose Arbeiten wie ABSTRACT, FARBIGE KREISE DURCH FARBBÄNDER VERBUNDEN (1914, Bern, Kunstmuseum). In der LANDSCHAFT MIT FAHNEN (1915, Hannover, Privatslg.) gliedern eine Senkrechte und eine Waagerechte kreuzartig das Bild. "Kunst", so sagte Klee, "gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar." Das gilt für das gesamte Schaffen des Künstlers. Die VILLA R (Kunstmuseum Basel) von 1919 vereint sowohl sichtbare Realitaeten wie Sonne, Mond, Berge, Baeume und Architekturen als auch surrealistische Versatzstücke und Stimmungswerte. Auch DER FISCHZAUBER von 1925 (Philadelphia, Museum of Art) steigert die anschauliche Idylle des Aquariums durch figurative, vegetabile und alltaegliche Objekte, hier die Uhr im Bildzentrum, ins Mysteriöse. Seine Schaffensweise konsolidierte sich bis 1918 zu einer vielseitigen Durchdringung von Abstraktem und Gegenstaendlichem, Konstruktiv-Statischem und Dynamischem in den unterschiedlichsten, haeufig gleichzeitig verwendeten Techniken Öl, Tempera, Aquarell und Pastell. Er benutzte vielfaeltige Materialien, Papier, Leinwand, Pappe, bis hin zu Nessel, Rupfen und Schirting. In dem Sammelheft " Schöpferische Konfession" von 1918 erklaert Klee: "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar. " Der Satz kann als eine der zentralen Äußerungen Klees gelten; nicht Abbildung des Sichtbaren, sondern Deutung von Welt durch die künstlerische "Vision" ist das Ziel. wie die VILLA R (1919; Basel, Kunstmuseum) neben Hunderten von anderen Bildern belegt. Das Haus ist aus statischen Rechtecken und Dreiecken komponiert, umgeben von dynamischen Zeichen für Landschaftselemente. Der grüne Halbmond links oben und das große R rechts unten schweben frei im Raum und entrücken es jeder rationalen Erklaerung. 1920 wurde Klee von Walter Gropius an das Bauhaus berufen. Die in Weimar (bis 1925) und Dessau (bis 1931) verbrachten Jahren zaehlen zu den besonders schöpferischen Perioden in seinem Leben. Er kam in produktivem Austausch mit Künstlern wie Oskar Schlemmer, Wassily Kandinski und Lyonel Feininger zusammen, lehrte Glasmalerei und Weberei und gab theoretischen Unterricht über Entwicklungen und Qualitaeten von Formen und Farben. Die Werke der 20er und 30er Jahre muten vielfach "konstruktivistisch" an (z. B. KOMPOSITION MIT URNEN, 1921, Amsterdam, Stedelijk Museum; SENECIO, 1922, Basel, Kunstmuseum). Doch solche "perspektivistischen Figurationen", deren Liniengewirr keine Einordnung mehr nach Zeit und Raum zulaeßt, entziehen sich jeder stilistischen Benennung. Die Gegenstaende werden in eine der Malerei eigene tektonische Struktur gesetzt. Die Fugen-, Streifen- und Rasterbilder und die "magischen Quadrate" zeigen eine stark an die Bilder der Tunis-Reise erinnernde tektonische Komposition und tonale Farbabstufungen (HARMONIE E ZWEI, 1926, Pratteln, Privatslg.; FARBTAFEL, 1930, Bern, Kunstmuseum). Bei den berühmtesten Beispielen dieser Art, BAUCHREDNER (RUFER IM MOOR) von 1923 (USA, Privatslg.) und KAMPFSZENE AUS DER KOMISCH-PHANTASTISCHEN OPER "DER SEEFAHRER" (1924, Basel, Privatslg.) markieren Farbmodulationen als Rasterfelder den Hintergrund der gegenstaendlichen Motive. Ikonographisch vollzieht sich in Klees Bildern ein Wandel von relativer Gegenstaendlichkeit und ironisch-skurrilem zu traumhaften Assoziationen und zur reinen Abstraktion. 1931 wurde Klee an die Düsseldorfer Akademie berufen, 1933 verließ er Deutschland. Nach der Übersiedlung nach Bern verraten die Absolutheit und Unbedingtheit der Werke in ihrer Reduktion auf eine Symbol- und Zeichensprache den Spaetstil. (DIE FRUCHT, 1932, Chicago, Slg. Mies van der Rohe). Nach dem Beginn seiner tödlichen Krankheit 1936 entstanden an größeren Formaten noch REVOLUTION DES VIADUKTES (1937, Hamburg, Kunsthalle), PAUKENSPIELER UND TOD IM FEUER (beide 1940, Bern, Kleestiftung). Zu den wichtigsten Bildfindungen in der Spaetzeit Klees zählen die Balkenbilder, mit dünnen, dicken oder auch umrandeten Balken gestalteten Werke, zu denen das Bild PARK BEI LUZERN von 1938 (Bern, Kunstmuseum Paul Klee-Stiftung) gehört. Die Engelsfiguren des Künstlers gelten als Sinnbilder drohender Todesahnung. |
Auszug aus Meisterwerke der Kunst, ISIS-Verlag AG, Chur/Schweiz